Monika Elisa Schurr
Adèle – Geschichte einer Lebensobsession

Roman
456 Seiten. Klappenbroschur
€ 24,95 [D/A] | sFr 32,95 sFr [CH]
ISBN: 978-3-941621-13-8

Bereits erschienen. | Nicht mehr lieferbar.

Adèle ist acht Jahre alt, als sie kurz nacheinander unter seltsamen Umständen die ihr verhassten Eltern verliert. Es erscheint ihr wie eine Erlösung, und sie vermutet, ihr geliebter Onkel Ferdi, der ältere Bruder ihres Vaters, habe dabei die entscheidende Rolle gespielt. Der schon recht betagte Mann ist ein schrulliger Tagedieb und Rosenfreak, den ihr wenig appetitlicher Vater und ihre verstörte Mutter aus zunächst undurchsichtigen Motiven lebenslang alimentiert haben.

Als sich sonst niemand findet, wird Vollwaise Adèle Ferdi zugesprochen und darf mit ihm in seinem verwunschenen Reich in Forst Hain leben, einer abgelegenen Gegend am Stadtrand, wo er sich seit langem in einer Hütte mit Garten eingerichtet hat.

Seit Adèles früher Kindheit ist der sanfte Onkel ihre einzige echte Bezugsperson und der einzige Mensch, den sie liebt, mit allen Sinnen liebt – in Unschuld und Schuld. Der alte Mann und das Kind überleben das kurze, vermeintliche Idyll nicht. Die Katastrophe ist unausweichlich. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Klappentext

»Adèle» erzählt auf schonungslose Weise von den Grenzbereichen menschlicher Lebenssehnsucht. Der Roman unternimmt den Versuch, vor dem Hintergrund eigener Kindheitserfahrungen jenes Dritte zu schreiben, das es offenbar nicht geben darf. Jenes Dritte nämlich zwischen den gängigen, meist kunstlos bis quasidokumentarisch erzählten Missbrauchs-Fallgeschichten, in denen die Frage nach Opfer und Täter, Schuld und Unschuld gemäß eines so eindeutigen wie einfachen Schwarzweiß-Schemas beantwortet wird einerseits – und tendenziell index-verdächtiger Literatur andererseits, zu der aus heutiger Sicht auch manches Werk der Hochliteratur gezählt werden müsste, Klassiker wie Nabokovs »Lolita» etwa. Ein Gesamtkunstwerk, das sowohl thematisch als auch sprachlich hohe Anforderungen an die Leserschaft stellt und Fragen aufwirft, die im derzeitigen Diskursklima viele gerade Wohlmeinende und Engagierte lieber ungestellt wissen.

Über die Autorin

Monika Elisa Schurr studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Köln, Gießen und Bloomington, Indiana. Bereits während dieser Zeit war sie als Stammübersetzerin für DuMonts »Kriminalbibliothek« sowie als Sendeassistentin für den WDR tätig, insbesondere für die Sendung »LebensArt«. Monika Elisa Schurr ist Verfasserin zahlreicher Hörbiografien und erotischer Erzählungen. Sie lebt heute als Autorin und Lektorin in ihrer Geburtsstadt Köln. »Adèle« ist ihr Romandebüt.

Leseprobe

»Gern tauchte er einen einsamen Finger, meist war es nur die Spitze, in eine dieser Perlen und traute sich dann lange nicht, den glitzernden Tropfen abzulecken, sondern betrachtete ratlos die Kuppe und schmierte sie an seiner gestopften Hose ab. An einer seiner vielen gestopften. Unversehrt war nur eine, schwarz, steif gebügelt und Teil eines Anzugs und ohne sichtbare Verletzung. Aber die trug er nie. Jedenfalls nie mehr nach dem Flammentod meiner Mutter und dem Herztod meines Vaters. Ich sage das ganz kalt. Meine Eltern waren Schweine.«

Bellerive Verlag