Andreas H. Drescher
Darwins Schöpfungsgeschichte – Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies

Thomas Arnold spricht Charles Darwin
Mit Sonja Deutsch als Darwins Mutter
Laufzeit ca. 74 Minuten
1 CD | Hörroman mit Musik

UVP 19,95 € [D/A] 37,90 sFr [CH]
ISBN: 978-3-941621-01-5

Bereits erschienen | Lieferbar

Fünf Jahre segelt Charles Darwin (1809 – 1882) als junger Mann um die Welt. Seine Theorie »Über die Entstehung der Arten« revolutioniert später unser Bild vom Ursprung des Lebens. 150 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Darwins Hauptwerk begibt sich der Autor Andreas H. Drescher auf der Beagle noch einmal mit dem jungen Darwin und Kapitän FitzRoy auf Reisen.
In stürmischer See lässt er uns eintauchen in die Gedankenwelt dieses großen Geistes und in das Geheimnis des Lebens selbst.

Hörprobe:

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KLAPPENTEXTE

The Missing Link: Der Forscher als Jäger und Sammler

Immer wieder verzögern Stürme ein Auslaufen der Beagle aus dem Hafen von Devonport. Am 27. Dezember 1831 ist es schließlich soweit. Doch für Darwin beginnt die Reise unerfreulich: Er wird sofort seekrank. Ein Zustand, der sich auch während der gesamten Fahrt nur für kurze Momente bessern soll. Dennoch wird Darwin am Ende der Expedition 1529 Arten, in Spiritus konserviert, mit nach England bringen. Dazu annähernd 4000 Häute, Felle, Knochen und Pflanzen. Alleine seine zoologischen und geologischen Notizen umfassen 1750 Seiten. »Die Reise mit der Beagle«, sagt Darwin später, insbesondere sein Aufenthalt im tropischen Regenwald von Brasilien und auf den Galapagosinseln, »war das bei Weitem bedeutendste Ereignis in meinem Leben. Sie hat meinen gesamten Werdegang bestimmt.«

Zwei Männer wie Feuer und Wasser

Das Sturmglas ist seine Erfindung. Er führt das Barometer und die schriftliche Wetterbeobachtung auf britischen Schiffen ein. Die HMS Beagle läßt er auf seine Kosten für die Forschungsexpedition modernisieren. Doch als Verfechter der Sklaverei bleibt der Kapitän aus adeligem Hause dem studierten Theologen Darwin stets suspekt, obgleich Robert FitzRoy während der langen Reise sogar seine Kapitänskajüte mit dem jungen Naturforscher teilt. Heftige Dispute begleiten die Männer auf ihrer großen Fahrt zu den Ursprüngen des Lebens. Noch Jahre nach seiner Rückkehr verurteilt FitzRoy Charles Darwins Theorien unter Berufung auf die Bibel öffentlich als »Irrlehren«.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Nach der Rückkehr von seiner fünf Jahre währenden Reise auf der Beagle im Herbst 1836 kränkelt Darwin zunehmend. Mit seiner Familie zieht er sich nach Down zurück, einen Landsitz südlich von England, wo er, still und bescheiden, an der Auswertung seiner mitgebrachten Sammlungen und Notizen arbeitet. Sie dienen ihm als Grundlage für sein ganzes Forscherleben. Reisen wird er nur noch selten. Der frühe Tod seiner geliebten Tochter Annie ist für den scheuen Darwin mehr als ein persönliches Unheil: Der schmerzliche Verlust wird ihm zur tragischen Bestätigung seiner Theorie vom Überleben des Stärkeren und führt schließlich zum endgültigen Bruch mit Glaube und Kirche.

HÖRBUCH-KURZREZENSIONEN

Schwere Wasser

Wie ein Kammerspiel kommt »Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies« daher. Und so muss es sein! Kein Hörspiel, kein Hörbuch – zielsicher hat der Autor Andreas H. Drescher sein Werk über Darwins Seereise, Darwins Innenreise, wie wir sehen werden, dazwischen angesiedelt.
An drei Stücke musste ich denken: »Weischedels Philosophische Hintertreppe«, weil uns als Hörern der Wissenschaftler Darwin hier so konkret als Mensch gegenübertritt, Thomas Manns »Tristan«, weil Darwin so sehr mit der erwarteten Dumpfheit seines vermeintlichen Antagonisten FitzRoy hadert, und Raoul Schrotts »Finis Terrae« und »Die Wüste Lop Nor«, weil die Irritation zwischen Stringenz und Chaos so spürbar wird. Die ganze Zeit sind wir in Darwins Selbst, bzw. dem, was er dafür hält. Seine längst verstorbene Mutter dringt in ihn, gleichsam in uns fortwährend ein, mal mütterlich fürsorglich, mal höhnisch, am Rande der Verachtung, mal gelassen auf eine Weise, die fast nach Zen klingt.

Zuerst jedoch konzentriert sich Darwins Gedankenwelt, seiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise durch ständige Seekrankheit beraubt, auf die am leichtesten zu fassenden Objekte, wie er meint: die See und Captain FitzRoy. Darwin arbeitet sich geradezu ab an dem, was er nicht ändern kann und dem, was er nicht sein will.
Die beiden Sprecher – und auch das ist eine Wegmarke im Hörstück – richten sich auch vom klanglichen Ausdruck her nicht an ein Gegenüber, sondern sprechen gewissermaßen nach innen. Nichts könnte der Erzählung besser dienen als genau diese Präsenz. So wie ich selbst nach dem Hören, bleibt Darwin schließlich mit Fragen und vagen Antworten, aber auch mit weiten Stücken offenen Himmels zurück. Möchte ich mit Darwin, FitzRoy oder Darwins Mutter ein Bier trinken gehen? Nein. Dennoch begegne ich allen jeden Tag: in mir selbst. Andreas H. Drescher lässt uns in den Spiegel schauen, wenn wir wollen. – Toll!
Ein faszinierendes Hörstück! Dicht, mitunter fast hermetisch geschlossen – und immer wieder mit Ausblicken, in denen die Wolken über den schweren Wassern aufreissen… Wenn ich diesem Hörstück etwas vorwerfen kann, dann, dass mich die assoziative Flut, die die Geschichte in mir auslöst, auch nach dem Hören noch längst nicht loslässt.

Jens W. Gantzel, Autor und Klangkünstler, Oldenburg

Neue Ufer

Dieses Hörspiel hat eine Metaphorik von einer solchen Intensität, wie man sie im Hörspiel kaum kennt. Was im Film ein verbreiteter Zugang ist, blieb dem bildlosen Medium bisher verwehrt. Die Inszenierung ist eine Offenbarung der klassischen freud’schen Trias. Die Naturgewalt des rauen Kapitäns als ungebändigte Wut. Durch ihn kann Darwin in seine dunkelsten Abgründe sehen. Dieses unkontrollierte ES ist nicht im Zaum zu halten. Und doch: Durch FitzRoy wird er zu neuen Ufern getrieben.
Dem gegenüber steht die Stimme seiner Mutter – eine übergeordnete Instanz, die dem jungen Darwin ins Gewissen redet und sein Handeln reflektiert. FitzRoy bleibt diffus und hat keine eigene Stimme. Sein Vorgehen wird geschildert, wie man Gefühle beschreibt. Als Tatsache. Als etwas, von dem man weiß, dass es falsch ist, ohne es konkretisieren zu können.
Die Normen und Regeln der Mutter sind hingegen klar und deutlich. Und nur eine Balance zwischen diesen Instanzen ermöglicht es, angemessen zu handeln. Am Ende des Hörspiels fragt Darwins Mutter: »Ist das noch Deine Stimme? Und wenn: welche?« Die dargebotene Lösung meint, sich anzupassen, wie der Gelatinekörper der Koralle. Nur, wenn man biegsam ist, wie diese, kann man in die vorgegebene Hülle hineinwachsen.
Das Hörstück beginnt mit dem Rauschen des Meeres. Möwen schreien. Vier Jahre sind vergangen, seitdem die HMS Beagle England verlassen hat. Heute, im Jahr 1835, liegt das Schiff an fernen Stränden. Darwin ist schwach und zweifelt – vor allem an sich selbst. Alles, was ihn umgibt, droht ihn zu durchfahren und aufzuzehren. Er beginnt seine Person zu überdenken. Er denkt an seine Mutter, die starb, als er acht Jahre alt war. Er denkt an Kapitän FitzRoy, der seine dunkelste Seite widerspiegelt. Eine Naturgewalt, der der junge Darwin kaum zu begegnen vermag. Nur die Stimme seiner toten Mutter läßt ihn seine Zweifel überwinden.
Lenz weiß, wie sie Dreschers Figuren inszenieren muß, um sie richtig in Szene zu setzen. Thomas Arnold als Charles Darwin ist die perfekte Wahl. Die melancholisch-monotone Art zu sprechen, ermöglicht dem Hörer den Zugang zu einem Werk, das nicht so recht in Hörkonventionen passen will. Wenn man bereit ist, sich der sperrigen Sprache zu stellen, wird man mit einem großartigen Hörspiel belohnt, das aus der Masse herausragt und nach Beachtung verlangt.

Florian Scheuerer, »Hörspiel im Turm«, Regensburg

Ohrenschmaus

Was für ein spannendes und poetisches Hörbuch! Im ganzen Darwin-Jahr 2009 hat den Menschen und Forscher nichts so nahe gebracht. Darwins Stimme wird jetzt für mich immer die von Thomas Arnold sein. Eine unglaublich dichte Atmosphäre, die besonders durch die wunderbare Musik und die sehr dezent gesetzten Geräusche noch unterstützt wird. Das ist ein wahrer Ohren- und durch das Cover zugleich ein Augenschmaus!

Franz Josef Adams, Gruppe »Historische Hörbücher«, Schwalbach