Georg Büchner
Lenz

Gelesen von André Beyer
Laufzeit ca. 62 Minuten
1 CD | Hörbuch| UVP 14,95 € [D/A] 19,95 sFr [CH]
ISBN: 978-3-941621-14-5

»Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg.
Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee,
die Täler hinunter graues Gestein, grüne
Flächen, Felsen und Tannen. Es war naßkalt,
das Wasser rieselte die Felsen hinunter und
sprang über den Weg. Die Äste der Tannen
hingen schwer herab in die feuchte Luft.
Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles
so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf
und strich schwer und feucht durch das
Gesträuch, so träg, so plump. Er ging gleich-
gültig weiter, es lag ihm nichts am Weg,
bald auf-, bald abwärts. Müdigkeit spürte er
keine, nur war es ihm manchmal unange-
nehm, dass er nicht auf dem Kopf gehn
konnte.«

Hörprobe:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

KLAPPENTEXT

Triumphgesang der Hölle

Georg Büchner (1813 – 1836) gilt als der »Frühvollendete der deutschen Literatur«. Für Arnold
Zweig markiert Büchners Novelle über Jakob Michael Reinhold Lenz den Beginn der modernen europäischen Prosa überhaupt. Eindrucksvoll beschreibt Büchner hier das langsame Abgleiten
des Sturm-und-Drang-Dichters und Goethe-Freundes in den Wahnsinn. »Lenz« ist die Chronik
eines Gangs in die Nacht, eindrucksvoll gelesen von André Beyer, und nicht weniger als dies:
»der bessere Werther«.

KURZREZENSION

Gott ist tot

»Büchners Lenz erzählt den Kampf des Erschütterten gegen die Erschütterung. Er bräuchte
Gott. Alles andere ist probiert. Und je weniger sonst noch in Frage kommt, desto heftiger greift er
nach diesem Gott. […] Die Natur wird zur grimassierenden Kulisse, der gestolperte Titan reagiert
mit Nerven und diagnostiziert sich aus dem kältesten Wortschatz der Welt den kältesten Befund
auf den Hals: Atheismus.«

Martin Walser